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Löwenzahn (Leontodon)
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Löwenzahn (Leontodon), auch Milchkraut oder Schaftlöwenzahn genannt, bildet eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der KorbblĂŒtler (Asteraceae). Sie ist nicht zu verwechseln mit der verwandten Gattung Löwenzahn (Taraxacum), der der Gewöhnliche Löwenzahn angehört.
Contents
âą Beschreibung
âą Vorkommen
âą Systematik
âą Nutzung
âą Etymologie
âą Sonstiges
âą Kulturgeschichte
âą Quellen
âą Literatur
âą Einzelnachweise
âą Weblinks
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Beschreibung
Vegetative Merkmale
Leontodon-Arten sind einjÀhrige bis ausdauernde krautige Pflanzen, die je nach Art Wuchshöhen von 10 bis 80 Zentimetern erreichen. Die einfachen oder verzweigten StÀngel sind behaart oder glatt.
Die in grundstĂ€ndigen Rosetten angeordneten LaubblĂ€tter sind in einen geflĂŒgelten Blattstiel und eine Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite ist einfach bis fiederteilig. Der Blattrand ist glatt, gezĂ€hnt oder gelappt. Die BlĂ€tter sind glatt oder behaart.
Generative Merkmale
Die körbchenförmigen BlĂŒtenstĂ€nde stehen einzeln oder zu zweit bis fĂŒnft zusammen. Die 16 bis 20 HĂŒllblĂ€tter stehen in mindestens zwei Reihen; sie sind kahl oder behaart. Der konvexe BlĂŒtenkorbsboden besitzt keine SpreublĂ€tter und ist glatt. Die BlĂŒtenkörbe weisen einen Durchmesser von 4 bis 15 Millimetern auf und enthalten nur 20 bis 30 ZungenblĂŒten. Die ZungenblĂŒten sind gelb bis orangefarben, die Ă€uĂeren manchmal mit rötlichen oder grĂŒnlichen Streifen.
Die hell- bis dunkel- oder rötlich-braune AchĂ€ne besitzt 10 bis 14 Rippen. Im Gegensatz zur bekannteren, ebenfalls âLöwenzahnâ genannten Gattung Taraxacum sind die AchĂ€nen nicht geschnĂ€belt, d. h. der Pappus sitzt nicht auf einem Stiel, sondern AchĂ€ne und Pappus sind unmittelbar miteinander verbunden.
Unterscheidung Ă€hnlicher Gattungen und Ăkologie
Wie bei den anderen Gattungen der Familie der KorbblĂŒtler (Asteraceae) stehen auch bei Leontodon mehrere EinzelblĂŒten in einem Pseudanthium genannten gemeinsamen BlĂŒtenstand. Die BlĂŒten haben einen reduzierten Fruchtknoten und an Stelle der normalen KelchblĂ€tter schuppige oder â im Fall des Pappus â haarförmige AuswĂŒchse, die ĂŒberdauernd gebildet sind und der Ausbreitung dienen.
Im Gegensatz zur bekannteren, ebenfalls âLöwenzahnâ genannten Gattung Taraxacum sind die AchĂ€nen nicht geschnĂ€belt, d. h. der Pappus sitzt nicht auf einem Stiel, sondern AchĂ€ne und Pappus sind unmittelbar miteinander verbunden. Beide Typen fallen jedoch in die Kategorie der trichometeorochoren Ausbreitungstrategien, welche aus den unterschiedlichen Bautypen der beiden Schirmflieger keine praktische Unterscheidung bei der Ausbreitung durch Wind (Anemochorie) hat.cite-ref-king1977-1-0[1] GröĂere Bedeutung hat dann aber, dass der Pappus bei Leontodon starr und nicht hygroskopisch ist, d. h. keine Wasserbindung besitzt, bei Taraxacum im Gegensatz hygroskopisch ist,cite-ref-sheldon-burrows665-675-2-0[2] und als Mechanismus mit wechselnder atmosphĂ€rischer Feuchtigkeit das Ăffnen oder SchlieĂen der Brakteen der HĂŒllblĂ€tter (Involucrum) ermöglicht.cite-ref-sheldon-burrows665-3-0[3] Daneben sind die HĂŒllblĂ€tter bei Leontodon nicht umgebogen und stehen gerade, bei Taraxacum sind sie immer umgebogen. Die gelblich-weiĂen bis hellbraunen fedrigen Borstenhaare des Pappus sind auch mit kleinen HĂ€rchen besetzt (gefiedert), bei Taraxacum sind sie nur borstig und damit nicht fedrig; sie stehen in einer bis zwei Reihen. Die Borstenhaare des Ă€uĂeren Kranzes können zu Borstenschuppen (Sektion Thrincia) reduziert sein (vgl. Heterokarpie). Ein wichtiges Gattungselement ist die Stellung der BlĂŒtenkörbe vor der Anthese: Bei Leontodon sind die Körbchen immer nickend, bei Taraxacum aufrecht. Ein wichtiges Augenmerk wird zudem auf die Form der Behaarung von RosettenblĂ€ttern, HĂŒllblĂ€ttern und Blattstiele gelegt: Die meisten Leontodon-Arten (Sektion Asterothrix, alle nicht kahlen Taxa der Sektion Leontodon) fĂŒhlen sich durch steife, dicht stehende Sternhaare (selten auch Ankerhaare) rau an. Sternhaare gleicher Art treten dann auch auf StĂ€ngel und HĂŒllblĂ€ttern auf.
Chemotaxonomische Charakteristik
Die Arten dieser Gattung wurden erstmals Ende des zwanzigsten Jahrhunderts eingehend auf die chemotaxonomischen Bestandteile untersucht. Ausschlag der BeschĂ€ftigung mit den sekundĂ€ren Metaboliten von Leontodon bildete die frĂŒher nicht erfolgte Unterscheidung von unbehaarten Individuen, Populationen und Unterarten zwischen Leontodon hispidus und Taraxacum officinale. Letztere gilt als eine anerkannte Arzneipflanze. So hatte der Löwenzahn (Taraxacum officinale) als alte Heilpflanze in frĂŒheren Jahrhunderten eine groĂe WertschĂ€tzung, der gegen eine groĂe Zahl von Krankheiten eingesetzt wurde. Er diente als Diuretikum, als Blutreinigungs- und die Gallenfunktion anregendes Mittel sowie gegen Krebs, AugenentzĂŒndungen, HĂ€morrhoiden, Warzen, chronische Ekzeme, Rheumatismus und Leberbeschwerden. Wie Zidorn in einer Dissertation zur Phytotaxonomie, Phytochemie, Pharmakologie und Morphologie der Gattung Leontodon darstellte, sind mit Ausnahme der die GallentĂ€tigkeit fördernden und der diuretischen Wirkung der in Taraxacum officinale enthaltenden Kaliumsalze die oben genannten Wirkungen (Stand 1998) experimentell noch nicht belegt gewesen. Eine Möglichkeit, dass die habituell sehr Ă€hnlichen Vertreter der Gattung Leontodon, die im Deutschen den gleichen Trivialnamen tragen, daher in der frĂŒheren pharmakologischen Literatur verwechselt wurden, ist durch die Tatsache, dass LinnĂ© beide in einer Gattung zusammenfasste, plausibel. Die vorlinnĂ©schen Botaniker unterschieden die beiden Gattungen ebenso wenig. Daher ist in der altĂŒberlieferten und volksmedizinischen Tradition nicht immer eindeutig nachvollziehbar, welcher Art, oder welchen Angehörigen welcher Gattung die arzneilich postulierte Verwendung zugeschrieben wurde.cite-ref-zidorn1998a-4-0[4]
Zidorn, der die phytochemischen Untersuchungen noch auf Basis der klassischen Gruppeneinteilung sensu Widder (inklusive der Sektion Oporinia) durchfĂŒhrte, konnte bei Leontodon dabei die Flavonoide Luteolin, die KaffeesĂ€urederivate ChlorogensĂ€ure, 3,5-DicaffeoylchinasĂ€ure, CaffeoylweinsĂ€ure und CichoriumsĂ€ure, in Leontodon crispus zusĂ€tzlich das Cumarin Aesculin nachweisen. Daneben noch 5,12-Guaianolide, sowie ein von Zidorn erstmal nachgewiesener Naturstoff Hydroxahypocretenolid-ÎČ-D-glucopyranosid-4â-14ââ-hydroxhypocretenoat. Aus Leontodon hispidus isolierte Sesquiterpenlactone zeigten in zytotoxischen und inflammatorischen pharmakologischen Testversuchen eine beachtliche AktivitĂ€t in den Indikationsgebieten.cite-ref-zidorn1998b-5-0[5] In antileukĂ€mischen Modellen erwiesen sich Taraxacum-Extrakte als wirkungslos, die von Leontodon hispidus als hochaktiv.cite-ref-zidorn1998c-6-0[6]
Allgemein sind die Vertreter der Hypochaeridinae durch das Vorkommen von Hypocretenoliden aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone gekennzeichnet, die sonst nur noch von Crepis aurea bekannt geworden sind. In der Gattung Leontodon ist durch das singulĂ€re Vorkommen von Hydroxyhypocretenoliden ebenfalls eine phytochemotaxonomische Eingrenzung innerhalb der Hypochaeridinae möglich.cite-ref-enke2012-7-0[7] Bei den Hypochaerindinae sind Derivate von KaffeesĂ€uren die am stĂ€rksten verbreiteten sekundĂ€ren Metabolite. Unter den Flavonoiden sind seltene Isoetin-Derivate verbreitet. Sie lassen sich durch ihr spĂ€rliches Auftreten im Pflanzenreich schwer zuordnen. Neben dem Auftreten in den Kladen der Hypochaeridinae sind sie noch im Tribus der Cichorieae bei weiteren KorbblĂŒtlern beschrieben wurden.cite-ref-enke2012-7-1[7] In Leontodon crispus konnte Zidorn (2006) PhytohĂ€maglutinin (PHA) (phasein acid) nachweisen.cite-ref-zidorn2006-8-0[8] Diese sonst in Leguminosen charakteristische Lektin ist bei anderen bis jetzt untersuchten Arten von Leontodon nicht vorhanden, jedoch sind die nĂ€chstverwandten Arten von Leontodon crispus (Leontodon asperrimus, Leontodon graecus, Leontodon rossianus) phytochemisch noch nicht untersucht (Stand MĂ€rz 2017).
Vorkommen
Die Gattung ist vom ozeanischen westlichen Mittelmeer ĂŒber Nordwestafrika bis in das euryozeanische Flachland Westrusslands, SĂŒdskandinavien, auf den Britischen Inseln bis ins sĂŒdliche Schottland sowie nach Osten bis zum sĂŒdlichen Kaspischen Meer verbreitet.cite-ref-meuselj-ger130-9-0[9] Einen Verbreitungsschwerpunkt findet die Gattung im meridional-submeridionalen Raum, wo nur der Steifhaarige Löwenzahn sein Areal temperat ĂŒber die submeridionalen Gebirge auch in die FlachlĂ€nder Europas und anthropogen bedingte Rasen verbreitert hat. Neosynanthrop ist Leontodon hispidus in aufgelockerten BestĂ€nden bis ins subboreale Russland und Finnland eingewandert.cite-ref-meuselj-ger130-9-1[9]
Die Höhenverbreitung der Arten reicht mehrheitlich von montan bis subalpin sowie (sub)mediterran bis alti-mediterran. Im Mittelmeerraum wird unter anderem Leontodon crispus von der KĂŒste bis in die Hochlagen der Dinariden gefunden. Im Alpenraum besiedelt Leontodon hispidus von der collinen, montanen und alpinen Stufe praktisch alle Höhenstufen und ist damit eine der wenigen Alpenpflanzen (alpine Art), die nicht spezifisch nur ĂŒber der Baumgrenze auftreten. Jedoch bildet er genetisch deutlich unterschiedene Ăkotypen oder Kleinarten, die einen wesentlichen Teil ihrer Merkmale beibehalten, wenn man sie in eine andere Höhenstufe verpflanzt.cite-ref-10[10] Leontodon hispidus wird in gedĂŒngten Almweiden, die zum MĂ€hen von Winterfutter nicht mit Vieh besetzt sind, und durch Wegfallen hochwĂŒchsiger, gegen Beweidung empfindlicher Pflanzen und wenig lichtbedĂŒrftiger Arten gefördert. Da solche Weiden durch Leontodon hispidus sowie Crepis aurea hervortreten, die in den Alpen Milchkraut genannt werden, wird sie âMilchkrautweideâ (Bergfettweide) genannt.cite-ref-ellenberg-11-0[11]cite-ref-12[12]
Das Verbreitungsgebiet der Arten separiert sich nach den Sektionen:
⹠die Arten der Sektion Leontodon (u. a. Leontodon hispidus) ist aus submeridionalen Gebirgen in submeridional-temperat euryozeanische FlachlÀnder vorgedrungen
âą die Arten der Sektion Asterothrix (u. a. Leontodon crispus, Leontodon biscutellifolius, Leontodon graecus, Leontodon oxylepis und Leontodon asperrimus) sind ostmediterran-iranisch-iberisch-ostsubmediterran-alpisch-(karpatisch) verbreitet
âą die Arten der Sektion Thrincia (u. a. Leontodon saxatilis) sind im ozeanischen westlichen Mittelmeerraum entfaltet.
Die Arten ziehen im Winter zumeist ein. Sie besiedeln oft Pionierstandorte wie im Kalkbachgeröll (Leontodon berninii) oder Schutthalden des Hochgebirges (Leontodon hispidus subsp. hyoseroides) sowie Kalkmagerrasen in lichten Kiefern-TrockenwĂ€ldern, Halbtrocken- oder Trockenrasen der Berg- und oberen HĂŒgelstufe sowie sonnige subalpine RasenhĂ€nge auf kalkreichen Fels- und Kiesböden (Leontodon incanus, Leontodon crispus).cite-ref-meuselj-ger130-9-2[9] Neben den mehrjĂ€hrigen Ganzrosettenstauden treten in der Sektion Thrincia kurzlebige Arten (Leontodon tuberosus) oder Heterokarpie bei Leontodon saxatilis auf. Die mehrjĂ€hrige Leontodon saxatilis hat eine immergrĂŒne Belaubung, was mit dem Fehlen einer endogenen Winterruhe ĂŒbereinstimmt. Dabei ist die Art auch frostempfindlich; sie kommt jenseits der â1° Januarisotherme nicht mehr vor.cite-ref-meuselj-ger130-9-3[9] Synanthrop konnte sich Leontodon saxatilis Vorposten in Schweden, Ăsterreich, RumĂ€nien, Schweiz, das ozeanische Nordamerika, Argentinien und Neuseeland bilden.
Eine Vorliebe fĂŒr Kalk ist den meisten Arten zu eigen; Vorkommen auf Ultramafiten und ultrabasischen Serpentenitböden werden auf der Balkanhalbinsel von Leontodon crispus agg. beschrieben.
FĂŒr die Ausbreitung ist Anemochorie in allen Arten kennzeichnend. Dabei zeigen die FrĂŒchte von Leontodon hispidus s.lat. eine gröĂere Fallgeschwindigkeit als vergleichbare FrĂŒchte von Ruderalpflanzen wie dem Löwenzahn aus der Gattung Taraxacum. WĂ€hrend die Regressionskurve zwischen Fallhöhe und Sinkgeschwindigkeit bei Taraxacum officinale steil und mit geringen Sinkgeschwindigkeiten von 0,33 m/s ist, sind die Regressionskurven der AchĂ€nen von Leontodon hispidus flach und haben etwa doppelt so groĂe Sinkgeschwindigkeiten von 0,63 m/s.cite-ref-13[13] Ausschlaggebend sind hier jedoch die geringeren Gewichte der Diasporen von Ruderalpflanzen (Taraxacum) die in Verbindung mit groĂen Samenmengen deren Fortpflanzungsstrategie bestimmt. Leontodon-Arten, unter denen kaum Ruderalpflanzen vorkommen (Ausnahme sind Arten der Sektion Thrincia), sind in Magerwiesen sowie auf konkurrenzschwachen Pionierstandorten (Schutthalden) zu finden. Samengewichte inklusive Pappus liegen bei Leontodon hispidus bei ĂŒber 1000 ”g und wurden trotz des hohen Gewichts in einer Vergleichsuntersuchung weiter verbreitet als Wiesenarten mit Ă€hnlichen Diasporengewichten (Plantago lanceolata, Poterium sanguisorba und Cirsium acaulon). Leontodon hispidus zeigt sich in geschlossenen Kalkwiesen Englands auch als konkurrenzstarke Art, die sich ĂŒber die Verbreitung von Diasporen erfolgreich fortpflanzt.cite-ref-14[14]
Leontodon crispus s. l. (wohl Leontodon biscutellifolius) zeigte sich bei vergleichenden Untersuchungen im thessalischen Olymp auf dem Plateau der Museen in Höhenlagen ĂŒber 2400 Metern als durch Fluginsekten meistbesuchte Pflanze,cite-ref-15[15] obwohl er nur zu den mittelhĂ€ufigen blĂŒhenden Arten und nur mit mittlerem Deckungsgrad in den VergleichsflĂ€chen aufgetreten war. Eine BlĂŒhdauer von 30 Tagen konnte dabei ermittelt werden. Als wichtigste BestĂ€uber wurden Hummeln (7,5 %), Schwebfliegen (39,8 %) und Schmetterlinge (18,8 %) gezĂ€hlt. FĂŒr die Vermehrung aller Leontodon-Arten ist praktisch immer FremdbestĂ€ubung notwendig. Dies unterscheidet sie von den eigentlichen LöwenzĂ€hnen (Taraxacum) oder den Arten der formenreichen Gattung der HabichtskrĂ€uter (Hieracium), bei denen apomiktische Samenbildung ohne BestĂ€ubung regelmĂ€Ăig vorkommt.
Systematik
Traditionelle Systematik
Die Gattung Leontodon wurde von Carl von LinnĂ© 1753 in der ersten Edition von Species Plantarum mit ursprĂŒnglich sechs Arten aufgestellt. Neben Leontodon anerkannte LinnĂ© auch die Gattungen Picris und Hypochaeris als traditionelle Mitglieder im Subtribus Hypochaeridinae Less. Durch Zuordnung von Taraxacum officinale (als Leontodon Taraxacum), Leontodon Bulbosum (eine Sonchus-Art und heute Sonchus bulbosus) sowie Leontodon Dandelion (heute Krigia dandelion) war die Gattung ĂŒberaus verworren. Nur zwei Arten der ursprĂŒnglichen LinnĂ©schen Gliederung sind aktuell noch bei Leontodon (Leontodon hispidus und Leontodon tuberosus). Nachdem Michel Adanson 1763 die Typifizierung des Gattungsnamens Leontodon anhand Leontodon Taraxacum (also fĂŒr die Gattung Taraxacum) fĂŒr Arten mit zurĂŒckgeschlagenen HĂŒllblĂ€ttern vorgenommen hatte und er den eigentlich zu Leontodon gehörenden Arten mit aufrechten HĂŒllblĂ€ttern den neuen Namen Virea Adanson gab, musste, um den botanischen Gattungsnamen Leontodon beizubehalten, dieser nomenklatorisch geschĂŒtzt werden. Daher beantragte Beryl Brintnall Simpson (als Beryl Simpson Vuilleumier) 1969 auf dem Internationalen Botanischen Kongress in Seattle den Schutz des Gattungsnamens Leontodon.cite-ref-16[16] Im Code 1972 wurde der Gattungsname Leontodon in die Liste der âNomina generica conservandaâ aufgenommen. Da die Gattung zweifellos auf Basis von Taraxacum officinale typifiziert wurde, dieser als konservierter Name sowie gleichfalls Typus der Gattung Taraxacum ist, musste ebenfalls ein Typus Conservandus fĂŒr Leontodon bestimmt werden. Die Gattung wurde 1969 mit dem Steifhaarigen Löwenzahn (Leontodon hispidus) typifiziert, was auf einen Vorschlag von 1930 durch Mary Letitia Green zurĂŒckgeht.cite-ref-17[17] Eine von Widder 1931 aus Unkenntnis des Vorschlags von Green vorgenommene Typifizierung mit Leontodon autumnalis (jetzt Scorzoneroides autumnalis) wurde 1975 berichtigt.
Das Wissen um das taxonomische Durcheinander innerhalb der Gattung veranlasste Giovanni Antonio Scopoli 1772 Leontodon in drei Gattungen zu zerlegen. 1777 schloss er sich dennoch der Ansicht Adansons an und verwendete von nun an den Gattungsnamen Leontodon fĂŒr Taraxacum. Dadurch wuchs die Verwirrung um die Abgrenzung abermals, da Scopoli nun Leontodon âautumnaleâ zu Picris, Leontodon âhispidumâ zu Virea Adans. sowie die nahe verwandte Art Leontodon âdanubialeâ zu Apargia stellte. Nachfolgende Botaniker konnten das entstandene Durcheinander nicht mehr entflechten. Erst Widder (1931, sowie posthum 1975) stellte eine allgemeingĂŒltige Unterteilung der Gattung, u. a. aufgrund der nickenden oder aufrechten BlĂŒtenkörbe kurz vor der Anthese, in die beiden Untergattungen Oporinia und Leontodon mit insgesamt fĂŒnf Sektionen auf. Eine Doktorandin Widders, Helga Pittoni, hatte in ihrer 1948 abgeschlossenen Dissertation Haartypen als wichtige diakritische Merkmale fĂŒr ungeklĂ€rte Fragen in den VerwandtschaftsverhĂ€ltnissen der Arten der Gattung herausstellen können. In gekĂŒrzter Fassung wurden die Ergebnisse 1974 veröffentlicht und boten einen besseren Ansatz als die von Finch & Sell (1975) in der Flora Europaea vorgenommene infragenetische Abgrenzung.cite-ref-18[18] Obwohl Widder eine mehrfach angekĂŒndigte Monographie der Gattung nicht mehr vollenden konnte, erhellte eine von Helga Pittoni 1975 posthum herausgegebene Manuskriptsammlung Widders Ansichten zur infragenetischen Untergliederung in Leontodon. Nach diesem Schema wurde Leontodon erstmals in der von Sandro Pignatti herausgegebenen Flora d'Italia 1982 durch Pittoni bearbeitet, welche in dieser Form bis 2006 GĂŒltigkeit behielt.
Molekulare und phytochemische Systematik
Als DNA-Analysen eine diphyletische Struktur zwischen den Vertretern der Untergattungen Oporinia und Leontodon aufdeckten, musste die Untergattung Oporinia unter der Wiederinkraftsetzung der Gattung Scorzoneroides ausgegliedert werden, was 2006 zur Abgrenzung der Gattung Leontodon aus den Vertretern der Taxa der Untergattung Leontodon mit den Sektionen Leontodon, Asterothrix und Thrincia fĂŒhrte. 2012 zeigten weitere molekulargenetische und phytotaxonomische Untersuchungen, dass die Gattung Hedypnois mit Leontodon klustert. Daher wurden die ehemaligen Arten der Gattung zu Leontodon gestellt.cite-ref-19[19] Bei den DNA-Analysen stellten sich die Leontodon Arten Leontodon boryi, Leontodon rosani und Leontodon villarsii als Schwesterkladen von Hedypnois und Leontodon siculus heraus. Nachdem sich die Sektion Leontodon damit in ihrer Einteilung aus den beiden Sektionen Leontodon und Asterothrix als paraphyletisch erwiesen hat, schlugen die Autoren vor, Asterothrix sowie die Gattung Hedypnois in Leontodon einzugliedern. Ob die Sektion Thrincia Schwestergruppe oder separate Gattung der Sektion Leontodon (inklusive Asterothrix und Hedypnois) muss durch weitere Untersuchungen geklĂ€rt werden.cite-ref-20[20]
FĂŒr die Neuauflage der Flora d'Italia ist fĂŒr die Gattungen Leontodon und Scorzoneroides ein ĂŒberarbeiteter taxonomischer SchlĂŒssel angegeben.cite-ref-zidorn2012-21-0[21]
Allgemein ist Leontodon nÀchst mit Picris und Helminthotheca verwandt und zusammen mit Hypochaeris eine Clade bilden.cite-ref-samuel2006-22-0[22] WÀhrend die Morphologie der Arten mit in der Regel unverzweigten StÀngeln relativ einheitlich ist, besteht bei den beiden Azoren-Vertretern Leontodon filii und Leontodon rigens mit stark verzweigten StÀngeln eine Anomalie. Genetisch stehen sie der Sektion Leontodon um die Gruppe des Steifhaarigen Löwenzahn (Leontodon hispidus s. lat.) nahe. Charakteristiken der Sektionen sind:
âą Gabel- oder Ankerhaare sowie zwei unterschiedliche Reihen gefiederter und einfacher Pappushaare sowie ein Chromosomensatz von zumeist 2n=14 bei Leontodon (u. a. Leontodon hispidus),
⹠Sternhaare und eine gleichförmige Reihe gefiederter Pappushaare mit zumeist 2n = 8 bei der Sektion Asterothrix (u. a. Leontodon crispus),
âą zu Schuppen reduzierten Ă€uĂerem Pappus, langen Gabelhaaren und einen Chromosomensatz mit 2n = 8 in der artenarmen Sektion Thrincia (u. a. Leontodon saxatilis),
âą Bei drei zur Sektion Asterothrix zĂ€hlenden Arten mit annomalen Karyotypen Leontodon boryii (2n = 14, Sierra Nevada), Leontodon villarsii (2n=14, sĂŒdwestliches Frankreich und Spanien) sowie Leontodon rosanii (2n = 22, Italien) wird ein allpolyploider Ursprung vermutet, der eine Kreuzung von Vertretern der Sektionen Leontodon und Asterothrix nahelegt.
Arten und ihre Verbreitung
Der Gattungsname Leontodon leitet sich von den griechischen Wörtern leon (Wortstamm leont-) fĂŒr Löwe und odous (Wortstamm odont-) fĂŒr Zahn ab. FĂŒr Leontodon L. gibt es die Synonyme: Apargia Scop., Microderis A.DC., Thrincia Roth.cite-ref-grin-23-0[23] Die klassische taxonomische Einteilung der Arten in der Gattung Leontodon zeigte sich nach molekulargenetische Untersuchungen als diphyletisch. Dadurch wurden alle Arten der ehemaligen Untergattung Oporinia und den zwei Sektionen Oporinia und Kalbfussia mit der Wiederinkraftsetzung der Gattung Scorzoneroides Vaill. ausgegliedert.cite-ref-24[24] Die Gattungen Leontodon und Scorzoneroides umfassen jeweils 25 Arten, ein Mannigfaltigkeitszentrum von Leontodon findet sich auf der Apennin-Halbinsel mit 13 Arten und 15 Taxa inklusive Unterarten der Gattung Leontodon s. str. Italien beherbergt daher auch fĂŒnf endemische: Leontodon anomalus, Leontodon apulus, Leontodon intermedius, Leontodon rosani, und Leontodon siculus sowie drei subendemische Arten: Leontodon berinii (auch in Slowenien), Leontodon tenuiflorus (auch in der Schweiz), und Leontodon villarsii (mit Hauptverbreitung in Frankreich).cite-ref-25[25] Hauptkriterien fĂŒr die Artunterscheidung sind zwei Merkmale: die Form des Induments, mit einfachen oder Sternhaaren, sowie die Knospen der Köpfe die von der Anthese hĂ€ngend oder aufrecht sind. Weitere wichtige Charaktere zur Unterscheidung der Sektionen sind in der Definition von Widder (1975):cite-ref-26[26]
âą Die Wurzel/Rhizom, welches entweder als waagrechte Pfahlwurzel oder senkrechtes Rhizom ausgebildet ist,
⹠Den AchÀnen, die entweder Verbreitungsstrategien in Form der Homokarpie oder Heterokarpie besitzen sowie
⹠Den BasischromosomensÀtzen (2n = 8, 12, 14 oder 22).
âą Leontodon apulus (Fiori) Brullo: Sie kommt in Italien vor.cite-ref-euro-med-31-1[31] Dieses Taxon ist noch ungenĂŒgend erforscht und wird von Zidorn 2012 bis zur endgĂŒltigen taxonomischen KlĂ€rung als Art beibehalten.
âą Leontodon arenicola (Sennen & Mauricio) Enke & Zidorn (Syn.: Hedypnois arenicola Sennen & Mauricio): Sie wurde aus Marokko erstbeschrieben.
âą Leontodon asperrimus (Willd.) Endl.: Sie kommt auf der Krim und sonst nur auĂerhalb Europas in Asien vor.cite-ref-euro-med-31-2[31]
âą Leontodon biscutellifolius DC., Syn.: Leontodon crispus (ssp. asper). Sie kommt von Ungarn bis zur Krim, im Kaukasusraum und bis Anatolien sowie vermutlich im Iran vor.
âą Leontodon boryi DC.: Dieser Endemit kommt nur in der Sierra Nevada in Spanien vor.cite-ref-euro-med-31-4[31]
âą Leontodon caspicus (Hornem.) Enke & Zidorn (Syn.: Hedypnois caspica Hornem.)
âą Leontodon caucasicus (M.Bieb.) Fisch. (Syn.: Leontodon repens Schur): Sie kommt in Georgien, in der Ukraine und in Russland vor.cite-ref-euro-med-31-5[31]
⹠Krauser Löwenzahn (Leontodon crispus Vill.). Er kommt in Spanien, Frankreich, Italien, in der Schweiz, auf Korsika und auf der Balkanhalbinsel sowie im Kaukasusraum vor.cite-ref-euro-med-31-6[31] Unter dem Taxon wurden als Sammelart verschiedene Taxa eingereihtcite-ref-32[32]
âą Leontodon farinosus Merion & Pau: Dieser Endemit kommt nur im Kantabrischen Gebirge im nordwestlichen Spanien vor.
âą Leontodon graecus Boiss. & Heldr.: Sie kommt in SĂŒdgriechenland und dem Peloponnes vor.cite-ref-33[33]
âą Leontodon hellenicus Phitos: Sie ist ein Endemit, der aus dem Kalliakouda-Gebirge und Chelidon in der Stellerea Ellas in Griechenland beschrieben wurde.cite-ref-34[34]
âą Leontodon hirtus L.: Sie kommt in Frankreich und in Italien vor.cite-ref-euro-med-31-8[31]
⹠Steifhaariger Löwenzahn oder Rauer Löwenzahn (Leontodon hispidus L., Syn.: Leontodon hastilis L.): Mit den Unterarten:
⹠Kahlköpfiger Rauhaar-Löwenzahn (Leontodon hispidus subsp. danubialis (Jacq.) Simonk.), Syn.: Leontodon danubialis Jacq., Leontodon hastilis L., Leontodon schischkinii V.N. Vassil., Leontodon hastilis var. glabratus W.D.J. Koch, Leontodon hispidus subsp. hastilis (L.) Corb.
⹠Zweifelhafter Rauhaar-Löwenzahn (Leontodon hispidus subsp. dubius (Hoppe) Pawl., Syn.: Leontodon alpinus Jacq., Leontodon hispidus var. dubius (Hoppe) Hegi, Leontodon hispidus subsp. alpinus (Jacq.) Finch & P.D.Sell)
⹠Gewöhnlicher Rauhaar-Löwenzahn (Leontodon hispidus L. subsp. hispidus)
⹠Glatter Rauhaar-Löwenzahn oder Schlitzblatt-Löwenzahn (Leontodon hispidus subsp. hyoseroides (Rchb.) Murr, Syn.: Leontodon hyoseroides Rchb.). Hierzu auch Leontodon hispidus ssp. pseudocrispus (Sch. Bip. ex Bischoff) Murrcite-ref-35[35]
⹠Stattlicher Rauhaar-Löwenzahn (Leontodon hispidus subsp. opimus (W.D.J.Koch) Finch & P.D.Sell)
⹠Grauer Löwenzahn (Leontodon incanus (L.) Schrank)
⹠Leontodon kotschyi Boiss.: Dieser Endemit kommt nur im Elburs im nördlichen Iran vor.
âą Leontodon maroccanus (Pers.) Ball: Sie kommt in Marokko, Algerien, Gibraltar und Spanien vor.cite-ref-euro-med-31-10[31]
âą Leontodon oxylepis (Boiss.) Heldr., Syn.: Leontodon libanoticus Boiss.: Sie kommt im Vorderen Orient vor.
âą Leontodon rhagadioloides (L.) Enke & Zidorn (Syn.: Hedypnois rhagadioloides (L.) F.W.Schmidt): Es gibt etwa zwei Unterarten:
âą Leontodon rhagadioloides (L.) Enke & Zidorn subsp. rhagadioloides
âą Leontodon rhagadioloides subsp. tubaeformis (Ten.) Enke & Zidorn (Syn.: Hedypnois cretica subsp. tubaeformis (Ten.) Nyman)
âą Leontodon rigens Paiva & Ormonde: Dieser Endemit kommt nur auf den Azoren vor.cite-ref-euro-med-31-11[31]
⹠Fels-Löwenzahn oder Nickender Löwenzahn (Leontodon saxatilis Lam.): Es gibt etwa vier Unterarten:
âą Leontodon saxatilis subsp. mesorhynchus (Maire) Maire: Sie kommt nur in Marokko vor.cite-ref-euro-med-31-12[31]
âą Leontodon saxatilis subsp. perennis (Emb. & Maire) Maire: Sie kommt nur in Marokko vor.cite-ref-euro-med-31-13[31]
âą Leontodon saxatilis subsp. rothii Maire (Syn.: Leontodon taraxacoides (Villars) MĂ©rat subsp. longirostris Finch & P.D.Sell): Sie kommt auf Madeira, in Marokko, Algerien, Tunesien, in Portugal, Spanien, Frankreich, auf den Balearen und in Albanien vor und ist vielleicht auch ursprĂŒnglich auf den Kanaren und Azoren.cite-ref-euro-med-31-14[31]
âą Leontodon saxatilis Lam. subsp. saxatilis (Syn.: Leontodon nudicaulis J.Banks nom. illeg., Leontodon nudicaulis subsp. taraxacoides (Villars) Schinz & Thellung, Leontodon leysseri (Wallroth) G.Beck): Sie kommt in Westasien und in Europa vor, fehlt aber im Norden.cite-ref-euro-med-31-15[31]
âą Leontodon siculus (Guss.) Nyman: Sie kommt in Italien und in Sizilien vor.cite-ref-euro-med-31-17[31]
âą Leontodon tenuiflorus (Gaudin) Rchb. (Syn.: Leontodon incanus subsp. tenuiflorus (Gaudin) Schinz & R.Keller): Sie kommt in Frankreich, Italien, in der Schweiz und in Slowenien vor.cite-ref-euro-med-31-18[31]
âą Leontodon tuberosus L.: Sie kommt in Nordafrika, in SĂŒdeuropa und Westasien vor.cite-ref-euro-med-31-19[31]
âą Leontodon villarsii (Willd.) Loisel., Sie kommt in Italien und Frankreich vor.
Nicht mehr zu dieser Gattung werden gerechnet:
⹠Herbst-Löwenzahn (Leontodon autumnalis L.) => Scorzoneroides autumnalis (L.) Moench
âą Leontodon carpetanus Lange => Scorzoneroides carpetana (Lange) Greuter
âą Leontodon cichoriaceus (Ten.) Sanguin. => Scorzoneroides cichoriacea (Ten.) Greuter
âą Leontodon croceus Haenke => Scorzoneroides crocea (Haenke) Holub
âą Leontodon duboisii Sennen => Scorzoneroides duboisii (Sennen) Greuter
⹠Schweizer Löwenzahn (Leontodon helveticus Mérat, Syn.: Leontodon pyrenaicus subsp. helveticus (Mérat) Finch & P.D.Sell) => Scorzoneroides helvetica (Mérat) Holub
âą Leontodon hispidulus (Delile) Boiss. => Scorzoneroides hispidula (Delile) Greuter & Talavera
âą Leontodon keretinus F.Nyl. => Scorzoneroides keretina (F.Nyl.) Greuter
âą Leontodon microcephalus (DC.) Boiss. => Scorzoneroides microcephala (DC.) Holub
⹠Berg-Löwenzahn (Leontodon montanus Lam.) => Scorzoneroides montana (Lam.) Holub
âą Leontodon pyrenaicus Gouan => Scorzoneroides pyrenaica (Gouan) Holub
âą Leontodon muelleri (Sch.Bip.) Fiori => Scorzoneroides muelleri (Sch.Bip.) Greuter & Talavera
âą Leontodon rilaensis Hayek => Scorzoneroides rilaensis (Hayek) Holubcite-ref-greuter2006-36-0[36]
âą Leontodon salzmannii (Sch.Bip.) Greuter & Talavera => Scorzoneroides salzmannii (Sch.Bip.) Greuter & Talavera
Nutzung
Die einzige bekannt gewordene Nutzung ist bei Leontodon hispidus eine Beimischung zu Blumen-Saaten von Bienenweiden. In der Schweiz ist er fĂŒr praktisch alle RenaturierungsmaĂnahmen von StraĂenböschungen eine empfohlene Pflanze.cite-ref-37[37] Er ist zudem einer der Zielarten bei der WiesenbegrĂŒnung in der schweizerischen Landwirtschaft.cite-ref-38[38]
Etymologie
Nach dem Etymologischen Wörterbuch von Kluge hat 1533 der Namenforscher Rösslin den Leontodon als Löwenzahn aufgestellt (1546 âder Bletter halben mit den spitzen Zehnenâ). Im französischen Gebiet ist er schon seit 1400 als dent de Lion (Löwenzahn, lateinischcite-ref-39[39] Dens leonis) vermerkt.
Sonstiges
Eine Besonderheit ist, dass sich im Deutschen zwei Gattungen im Trivialnamen nicht unterscheiden. So heiĂen sowohl die Gattung Taraxacum als auch Leontodon im Deutschen âLöwenzahnâ.cite-ref-fischer2001-40-0[40] Versuche, diese Homonymie aufzuheben, sind bisher gescheitert. AuĂerhalb des deutschen Sprachgebietes ist ein vergleichbarer Fall einer homonymen ParallelitĂ€t der beiden Gattungen nicht bekannt.
Kulturgeschichte
Leontodon hispidus wurde wohl erstmals im 15. Jahrhundert Kodex Berleburg im Herbar des Bernhard von Breidenbach als âPhaffenkrudtâ abgebildet. Danach fand sich selbige Abbildung durch Peter Schöffer als Drucker und Bernhard von Breidenbach als Herausgeber die Abbildung des âPhaffenkrudtâ nun als âZeitloĂâ benannt unverĂ€ndert im Gart der Gesundheit (1485, Kap. CCXII). Sie zeigt die Pflanze mit Wurzel, sechs RosettenblĂ€ttern und langem StĂ€ngel, der einen halbaufgeblĂŒhten, in krĂ€ftigem Gelb gehaltenen BlĂŒtenstand trĂ€gt. Die Pflanze wird natĂŒrlich dargestellt und entstammt der Naturbeobachtung.cite-ref-41[41]
In Pietro Andrea Mattiolis Opera quae extant omnia, hoc est, Commentarii in VI. libros Pedacii Dioscoridis Anazarbei De medica materia werden sowohl Leontodon als auch Taraxacum mit jeweils eigenen Illustrationen auf der gleichen Seite abgebildet. Mattioli benennt in De medica materia Taraxacum als Dens Leonis, Leontodon als Cichorium Constantinopolitanum.
In Tabernaemontanus Neuw Kreuterbuch (1588) werden beide Abbildungen Mattiolis zu Leontodon und Taraxacum ĂŒbernommen. Zur Unterscheidung steht Dens Leonis fĂŒr Taraxacum und Dens Leonis altera (Der andere Löwenzahn) fĂŒr Leontodon der mit deutschem Namen als Pfaffenblat bezeichnet wird. Als gebrĂ€uchliche Bezeichnungen stehen im Neuw KrĂ€uterbuch âCichorium Constantinopolitanumâ und âDens Leonis Mompeliacaâ. Letzterer Name fĂŒhrt er auf das Vorkommen um Montpellier sowie der Nutzung der Ărzte in Montpellier zurĂŒck. Weitere Namen in Tabernaemontanus sind u. a. Cichorium Byzantinum, Cichorium bulbosum, Dens Leonis bulbosus, Cichorium Asphodelinum sowie Cichorium polyrrhizon.
âDas zweyte Geschlecht hat viel bollechtiger Wurtzeln / die seindt den Affodillwurtzeln fast Ă€hnlich / auĂgenommen daĂ sie kleiner seindt / unnd schier gestalltet wie die Rettichschöttlein / Die Bletter seindt kleiner unnd nicht so tieff zerspalten / ein wenig graublauw unnd haarechtig / die ligen wie die vorigen auff der Erden auĂgespreitet / der wilden Wegwarten nicht vast ungleich / allein daĂ sie breyter seindt. Sonst ist es mit den dĂŒnnen Röhrlein / die es hat an statt der Stengel / dem Röhrleinkraut nicht ungleich / darauff wachsen im Brachmonat und Heumonat schöne bleychgeele Blumen / die seindt grösser dann die Eyerblumen / sie werden auch zu haarechtigen / weissen Köpfflein / und wann der Windt dahinder komt / so fliehen sie darvon wie die wollechtige Knöpfflein der Pfaffenröhrlein. Der Geschmack dieĂes Krauts iĂt bitter mit einer schĂ€rpffe / dem Geschmack deĂ Pfaffenröhrleins gleich. Es wĂ€chst umb Mompelier / deĂgleichen in der Puouinz Franckreich und in Languedock hĂ€uffig / in den Wiesen und graĂechtigen Orten unnd wirdt allein in unserm Teutschlandt in den LuĂtgĂ€rten gepflantzetâ
â
Neuw Kreuterbuch, Tabernaemontanus
Quellen
Literatur
âą Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora fĂŒr Ăsterreich, Liechtenstein und SĂŒdtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
âą Christian Zidorn: Leontodon and Scorzoneroides (Asteraceae, Cichorieae) in Italy. In: Plant Biosystems â An International Journal Dealing with all Aspects of Plant Biology. Volume 146, 2012/1, S. 41â51.
âą Felix Joseph Widder: Die Gliederung der Gattung Leontodon. In: Phyton (Horn). Nr. 17, 1975, S. 23â29 (zobodat.at [PDF; 1,8 MB; abgerufen am 20. April 2023] zusammengestellt von Helga Pittoni).
âą Helga Pittoni: Leontodon L. In: Sandro Pignatti (Hrsg.): Flora dâItalia. Edagricole, Bologna 3, 1982, S. 242â248.
âą David J. Bogler: Leontodon. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 19: Magnoliophyta: Asteridae, part 6: Asteraceae, part 1 (MutisieaeâAnthemideae). Oxford University Press, New York / Oxford u. a. 2006, ISBN 0-19-530563-9, S. 294 (englisch, online).
Einzelnachweise
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cite-note-sheldon-burrows665-675-22. â J. C. Sheldon, F. M. Burrows: The dispersal effectiveness of the achene-pappus Units of selected compositae in stead winds with convection. In: New Phytologist. Volume 72, 1973, S. 665â675 (PDF).
cite-note-sheldon-burrows665-33. â J. C. Sheldon, F. M. Burrows: The dispersal effectiveness of the achene-pappus Units of selected compositae in stead winds with convection. In: New Phytologist. Volume 72, 1973, S. 665 (PDF).
cite-note-zidorn1998a-44. â Christian Zidorn: Phytochemie, Pharmakologie, Chemotaxonomie und Morphologie von 'Leontodon hispidus' L. s. l. unter BerĂŒcksichtigung weiterer Taxa der Gattung 'Leontodon'. (= Berichte aus der Pharmazie). Dissertation an der Leopold-Franzens-UniversitĂ€t Innsbruck. Shaker, Aachen 1998, ISBN 3-8265-3935-4, S. 1â3.
cite-note-zidorn1998b-55. â Christian Zidorn 1998, S. 210.
cite-note-zidorn1998c-66. â Christian Zidorn 1998, S. 208.
cite-note-enke2012-77. â N. Enke, B. Gemeinholzer, C. Zidorn: Molecular and phytochemical systematics of the subtribe Hypochaeridinae (Asteraceae, Cichorieae). In: Organisms, Diversity & Evolution. Volume 12, 2012, S. 1â16. Hier S. 8.
cite-note-zidorn2006-88. â C. Zidorn, S. Pschorr, E. P. Ellemerer, H. Stuppner: Occurence of equistumpryone and ohther phenolics in Leontodon crispus. In: Biochemical Systematics and Ecology. Volume 34, 2006, S. 185â187.
cite-note-meuselj-ger130-99. â H. Meusel, E. JĂ€ger: Vergleichende Chorologie der ZentraleuropĂ€ischen Flora. Band III, Gustav Fischer, 1991. Hier S. 130.
cite-note-1010. â Heinz Ellenberg, Christoph Leuschner: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 6., vollstĂ€ndig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Ulmer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8001-2824-2, S. 676.
cite-note-ellenberg-1111. â Heinz Ellenberg, Christoph Leuschner, S. 1000â1001.
cite-note-1212. â Milchkrautweide. In: infoflora.ch.
cite-note-1313. â Bettina Schulz, Joachim Döring, Gerhard Gottsberger: Apparatus for measuring the fall velocity of anemochorous diaspores, with results from two plant communities. In: Oecologia. Volume 86, Issue 3, 1991, S. 454â456. Hier S. 456.
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cite-note-1515. â Nikolaos Makrodimos, George J. Blionis, Nikolaos Krigas, Despoina Vokou: Flower morphology, phenology and visitor patterns in an alpine community on Mt Olympos, Greece. In: Flora - Morphology Distribution Functional Ecology of Plants. 203(6), August 2008, S. 449â468. (PDF)
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cite-note-1717. â M. L. Green, 1930 (â1929â) In: Green Hitchcock: The application of Linnean generic names to be determined by means of specified Standardspecies (S. 155 â 195). Internat. Bot. Congr. Cambridge (England) Nomencl. Prop. Brit. Bot. â London.
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cite-note-1919. â Neela Enke, Birgit Gemeinholzer, Christian Zidorn: Molecular and phytochemical systematics of the subtribe Hypochaerindinae (Asteraceae, Cichorieae). In: Organisms Diversity & Evolution. Volume 12, 2012, S. 1â16.
cite-note-2020. â Neela Enke u. a., 2012, S. 10.
cite-note-zidorn2012-2121. â C. Zidorn: âLeontodonâ and âScorzoneroidesâ (Ateraceae, Cichrieae) in Italy. In: Plant Biosystems. Volume 146, 2012, S. 41â51.
cite-note-samuel2006-2222. â R. Samuel, W. Gutermann, T. F. Stuessy, C. F. Ruas, H-W. Lack, K. Tremetsberger, S. Talavera, B. Hermanowski, F. Ehrendorfer: Molecular phylogenetics reveals Leontodon (Asteraceae, Lactuceae) to be diphyletic. In: American Journal of Botany. Volume 93, 2006, S. 1193â1205. doi:10.3732/ajb.93.8.1193
cite-note-2424. â R. Samuel, W. Gutermann, T. F. Stuessy, C. F. Ruas, H.-W. Lack, K. Tremetsberger, S. Talavera, B. Hermanowski, F. Ehrendorfer: Molecular phylogenetics reveals 'Leontodon' (Asteraceae, Lactuceae) to be diphyletic. In: American Journal of Botany. Volume 93, 2006, S. 1193â1205. doi:10.3732/ajb.93.8.1193 (PDF) (Memento des Originals vom 19. MĂ€rz 2017 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.amjbot.org
cite-note-2525. â Christian Zidorn: Leontodon and 'Scorzoneroides' (Asteraceae, Cichorieae) in Italy. In: Plant Biosystems - An International Journal Dealing with all Aspects of Plant Biology. Volume 146, 2012/1, S. 41â51.
cite-note-2626. â Christian Zidorn 2012, S. 41â42.
cite-note-2727. â Helga Pittoni: Behaarung und Chromosomezahlen sternhaariger Leontodon-Sippen. In: Phyton (Horn). Band 16, 1974, S. 165â188 (zobodat.at [PDF; 5,1 MB; abgerufen am 20. April 2023]).
cite-note-2828. â Helga Pittoni: Leontodon. In: Sandro Pignatti (Hrsg.): Flora d'Italia. Volume III, Bologna Edagicole 1982, S. 242â248.
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cite-note-3030. â Neela Enke, Birgit Gemeinholzer, Christian Zidorn: Molecular and phytochemical systematics of the subtribe Hypochaerindinae( Asteraceae, Cichorieae). In: Organisms Diversity & Evolution. Volume 12, 2012, S. 1â16.
cite-note-euro-med-3131. â Werner Greuter: Compositae (pro parte majore). In: Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Leontodon. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2006+.
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cite-note-3434. â Arne Strid, Kit Tan: Mountain Flora of Greece. Edinburgh University Press, Edinburgh 1991, S. 531.
cite-note-3535. â Ch. Zidorn, 2012, S. 47.
cite-note-greuter2006-3636. â Werner Greuter, W. Gutermann, S. Talavera: A preliminary conspectus of Scorzoneroides (Compositae, Cichorieae) with Validation of the required new names. In: Willdenowia. Volume 36, 2006, S. 689â692.
cite-note-3737. â Tiefbauamt GraubĂŒnden -Richtlinie Konzept Samenmischungen an StraĂenböschungen (Memento des Originals vom 31. Mai 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gr.ch
cite-note-3838. â Samenmischung der WiesenbergĂŒnung der Landwirtschaft (Memento des Originals vom 31. Mai 2013 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gr.ch
cite-note-3939. â Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft fĂŒr Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 141
cite-note-fischer2001-4040. â Manfred A. Fischer: Zur Typologie und Geschichte Deutscher botanischer Gattungsnamen mit einem Anhang ĂŒber deutsche infraspezifische Namen. In: Stapfia. Volume 80, 2001, S. 125â200. Hier S. 143, zobodat.at [PDF]
cite-note-4141. â Werner Dressendorfer, Gundolf Keil, Wolf-Dieter MĂŒller-Jahncke, Ălterer deutscher 'Macer' - Ortolf von Baierland 'Arzneibuch' - 'Herbar' des Bernhard von Breidenbach - FĂ€rber- und Maler-Rezepte. Die oberrheinische medizinische Sammelhandschrift des Kodex Berleburg: Berleburg, FĂŒrstlich Sayn-Wittgensteinâsche Bibliothek, Cod. RT 2/6, Farbmikrofiche-Edition, EinfĂŒhrung zu den Texten, Beschreibung der Pflanzenabbildungen und der Handschriften (Codices illuminati medii aevi 13), MĂŒnchen 1991. (PDF)
cite-note-421. Biodiversity Heritage Library
Weblinks
Commons
: Löwenzahn
â Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons
: Löwenzahn (
Leontodon
)
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Thomas Mayer: BestimmungsschlĂŒssel zu in Deutschland vorkommenden Leontodon-Arten bei Flora-de: Flora von Deutschland.
âą Typus von Leontodon oxylepis Boiss. et Heldr. im Natural History Museum London Type specimen of Leontodon oxylepis.
âą Typus von Leontodon crispus ssp. asperrimus im Natural History Museum London Type specimen of Leontodon crispus ssp. asperrimus.